Stand: 24. September 2026 – Kurzantwort für Eilige: Die allermeisten Büros, Praxen, Läden und kleinen Werkstätten bis 50 Beschäftigte brauchen einen Verbandkasten nach DIN 13157. Alles darüber, Baustellen mit über 20 Leuten und produzierende Betriebe ab 21 Beschäftigten brauchen mehr – entweder mehrere DIN-13157-Schränke oder gleich DIN 13169. Wer hier falsch kauft, zahlt doppelt: erst für den zu kleinen Schrank, dann für die Nachrüstung nach der ersten BG-Prüfung.
Bei Apohaus erleben wir es jede Woche: Ein Betrieb bestellt schnell irgendeinen Erste-Hilfe-Schrank, hängt ihn in den Flur – und bei der Begehung heißt es: falsche Norm, zu wenig Inhalt, kein Platz für Nachfüllpack, Augenspülung fehlt. Dieser Ratgeber verhindert genau das. Wir klären Kompatibilität und Passform im Wortsinn: Welche Norm passt zu Ihrer Mitarbeiterzahl? Welches Gehäuse passt an Ihre Wand und zu Ihrem Schmutz, Ihrer Feuchte, Ihrer Branche? Und welches Zubehör passt wirklich in und zu Ihrem Schrank?
1. DIN 13157 oder DIN 13169 – der Unterschied, der alles entscheidet
Beide Normen beschreiben seit der Fassung 2021 einen sofort einsatzbereiten, wandmontierbaren Erste-Hilfe-Behälter für Betriebe. Der Unterschied ist Menge und Einsatzort:
| Merkmal | DIN 13157 (klein) | DIN 13169 (groß) |
|---|---|---|
| Inhalt (ca.) | 85-teilig | 167-teilig – entspricht etwa 2x DIN 13157 plus Zusatz |
| Gedacht für | kleine Betriebe, Büros, eine Abteilung, ein Fahrzeug, eine Baukolonne | große Betriebe, Zentrale für mehrere Bereiche, Werkhallen, Baustellen ab 51 Personen |
| Typische Behälter | Koffer oder eintüriger Wandschrank | zweitüriger Wandschrank mit getrennten Fächern, oft mit Medikamentenfach |
| Rechtsgrundlage | DGUV Vorschrift 1 + ASR A4.3 | DGUV Vorschrift 1 + ASR A4.3 |
Merksatz aus der Praxis: DIN 13157 ist die Portion für eine Einheit, DIN 13169 ist die Zentrale für den ganzen Betrieb. Zwei kleine 13157er an zwei Treppenhäusern sind oft sinnvoller als ein großer 13169er im Keller.
2. Wie viele Kästen braucht Ihr Betrieb wirklich?
Die ASR A4.3 unterscheidet nach Betriebsart, weil das Verletzungsrisiko anders ist. So rechnen Sie richtig:
| Betriebsart | 1 x DIN 13157 reicht bis | Danach brauchen Sie |
|---|---|---|
| Verwaltung, Handel, Büro, Schule, Dienstleistung | 1–50 Beschäftigte: 1 x DIN 13157 | 51–300 Beschäftigte: 2 x DIN 13157 ab 301: zusätzlich 1 x DIN 13157 je weitere 300 Beschäftigte |
| Herstellung, Verarbeitung, Werkstatt, Baustelle, Landwirtschaft, Gastronomie mit Küche | 1–20 Beschäftigte: 1 x DIN 13157 | 21–100 Beschäftigte: 2 x DIN 13157 oder 1 x DIN 13169 ab 101: zusätzlich 1 x DIN 13169 je weitere 100 Beschäftigte |
Beispiele vom 24. September 2026:
- Büro mit 12 Leuten in München: Ein Schrank A nach DIN 13157 im Flur reicht völlig. Kein 13169er nötig.
- Tischlerei mit 28 Leuten: Sie fallen in die zweite Zeile. Sie brauchen mindestens 2 x DIN 13157 – etwa je einen in Werkstatt und Lager – oder zentral 1 x DIN 13169 plus einen Koffer für die Montagekolonne.
- Logistik mit 180 Leuten in Halle + Büro: Sinnvoll sind 1 x Schrank G nach DIN 13169 als Zentrale plus 1–2 Koffer für Staplerbereich und Pforte.
Wichtig: Teilzeitkräfte, Aushilfen und Azubis zählen mit. Baustellen, Zeitarbeit und getrennte Gebäude werden getrennt bewertet. Im Zweifel lieber einen Schrank mehr als einen zu wenig – ein Nachfüllpack kostet wenige Euro, ein Bußgeld und der Ärger nach einem Unfall kosten mehr.
Passend für kleine und mittlere Einheiten nach DIN 13157
3. Metall, Kunststoff, leer oder gefüllt – welches Gehäuse passt an Ihre Wand?
Die Norm regelt den Inhalt, nicht das Blech drumherum. Hier entscheidet Ihre Umgebung:
Metall oder Kunststoff?
- Pulverbeschichtetes Stahlblech (z. B. Schrank A und C): Die richtige Wahl für Werkstatt, Lager, Baucontainer und überall, wo es rumpelt. Abschließbar mit 2 Schlüsseln, Wandmontage-Set liegt bei, Erste-Hilfe-Kennzeichnung ist drauf. Hält Staub und neugierige Hände ab.
- ABS-Kunststoff mit Sichtfächern: Ideal für Büro, Praxis, Kita, Empfang. Leicht, rostfrei, innen übersichtlich. Für Feuchträume und Außenbereiche auf Gummidichtung achten.
Wie groß muss der Schrank sein?
- Kompakt eintürig (Typ A): Passt zwischen Tür und Lichtschalter, ca. Aktenschrank-Breite. Für 1 x DIN 13157, 85 Teile. Perfekt, wenn Sie nur eine Nische im Flur haben.
- Mittel mit verstellbaren Fächern und Türfächern (Typ C): Gleiche 85-teilige DIN-13157-Füllung, aber mehr Luft und Ordnung. Hier passt zusätzlich eine Pflasterrolle, eine Rettungsdecke in Reserve und eine kleine Augenspülflasche direkt daneben. Unsere Empfehlung, wenn Sie Platz haben.
- Zweitürig XXL nach DIN 13169 mit Medikamentenfach (Typ G): Die Zentrale für große Betriebe. 167 Teile plus separates, abschließbares Fach – etwa für vom Betriebsarzt freigegebene Ergänzungen. Wer 13169 braucht und einen zu kleinen Schrank kauft, bekommt die Füllung physisch nicht unter.
Leer oder gefüllt kaufen?
Gefüllt kaufen, wenn Sie neu ausstatten oder die letzte Prüfung rot war: Sie sind sofort normgerecht, alles ist sortiert und haltbar. Leer kaufen, wenn Sie bereits eine gültige Füllung haben, einen alten Schrank ersetzen oder mehrere Standorte mit eigenem Nachfülllager vereinheitlichen wollen. Der leere Schrank mit 10 Fächern ist dafür gemacht: 10 Sichtfächer, robust, abschließbar – Sie bestücken ihn einmal nach DIN 13157 und füllen nur noch nach.
Praxis-Tipp zur Passform: Messen Sie vor dem Bestellen: Türschwenk (mind. 90 Grad frei?), Höhe (Griffhöhe 1,2–1,4 m, Kennzeichnung auf Augenhöhe), Abstand zum Waschbecken und zum Feuerlöscher. Ein Schrank hinter der Bürotür oder im Putzraum ist im Ernstfall keiner.
Zentrale Lösung für große Betriebe oder zum Selbstbestücken
4. Was wirklich zusammenpasst: Schrank, Nachfüllung und sinnvolle Ergänzung
Ein Verbandschrank ist kein Möbel, sondern ein System. Diese Kombinationen haben sich in deutschen Betrieben bewährt – sie sind untereinander kompatibel und passen in die Schränke oben:
Kombination 1: Büro + Empfang + Außendienst
Schrank A oder C (DIN 13157) an der Wand, dazu ein tragbarer First Aid Kit Medium für Dienstfahrten, Betriebsausflug und das getrennte Lager. Beide nutzen das gleiche Verbrauchsmaterial, Sie brauchen nur ein Nachfülllager.
Kombination 2: Werkstatt, Bau, Metall und Holz – wo es stark blutet und splittert
Die DIN-Füllung stoppt kleine Wunden, aber für Platzwunden und Nasenbluten brauchen Sie mehr Druck und mehr Saugkraft. Genau dafür passt der Cederroth 4-in-1 Bloodstopper als sterile Ergänzung in jedes Türfach: Druckpolster, Schutzverband, Stützverband in einem. Die Mini-Variante gehört in jede Brusttasche und in den Koffer für die Kolonne. Plus Eye Wash 2x 500 ml daneben an die Wand – bei Staub, Spänen, Mörtel und Chemie ist die DIN-Brille allein zu wenig.
Kombination 3: Küche, Kantine, Lebensmittel – wo Hygiene entscheidet
Zum Metallschrank mit Gummidichtung kommt ein Salvequick Pflasterspender neben das Waschbecken: Pflaster werden nach unten abgezogen, staubgeschützt, mit einer Hand entnehmbar. Die elastische SENSITIVE-Rolle 6 cm x 5 m lässt sich ohne Schere auf jede Fingerkuppe zuschneiden und hält auch bei Feuchtigkeit. So bleibt der DIN-Schrank versiegelt, Kleinkram läuft über den Spender.
Wundversorgung nach der Erstversorgung: Spray + Gel gehört dazu
Viele Betriebe desinfizieren noch mit Alkohol – das brennt, die Mitarbeiter lassen es weg. Legen Sie octenisept Spray und octenisept Gel in das Medikamentenfach (Typ G) oder in den Erste-Hilfe-Rucksack: erst farblos und schmerzarm desinfizieren, dann feucht abdecken. Das Gel kühlt, lindert Juckreiz und hält die Wunde geschmeidig – gerade bei Schürfwunden vom Hof oder Schnittverletzungen aus der Werkstatt ein riesiger Unterschied in der Heilung. Die protect & repair cream gehört nicht auf die offene Wunde, sondern danach auf die geschlossene, trockene Haut zum Schutz – etwa bei rissigen Händen oder nach abgeheiltem Schorf.
5. Die 5 teuersten Fehlkäufe – und wie Sie sie vermeiden
- Nur nach Preis gekauft, Norm ignoriert: Ein Deko-Schrank ohne DIN-13157-Kennzeichnung besteht keine Prüfung. Achten Sie auf die Angabe DIN 13157:2021 bzw. DIN 13169:2021 und 85- bzw. 167-teilig.
- Zu klein für den Inhalt: Wer DIN 13169 braucht, aber einen Kompaktschrank bestellt, quetscht Mullbinden ins Türfach. Ergebnis: Deckel klemmt, Siegel reißt. Gleich zweitürig planen.
- Kein Platz für Ergänzung: Augenspülung, Bloodstopper und Reserve-Pflaster brauchen 10–15 cm daneben oder ein separates Fach. Schrank C und G sind dafür ausgelegt, Mini-Schränke nicht.
- Verbandkasten im Auto als Betriebsapotheke missbraucht: Der Kfz-Kasten nach DIN 13164 ist nicht mit DIN 13157/13169 kompatibel. Betrieb braucht Betrieb, Auto braucht Auto.
- Nie geprüft, nie nachgefüllt: Sterilprodukte laufen ab, Pflasterkleber trocknet aus. Einmal im Jahr – am besten jeden September zum Brandschutz-Check – Füllung, Verfalldaten und Wandbefestigung prüfen.
Ihre Checkliste zum Aufhängen (Stand 24. September 2026)
- ☐ Betriebsart bestimmt? Büro/Handel oder Herstellung/Bau?
- ☐ Köpfe gezählt inkl. Teilzeit und Azubis?
- ☐ Norm gewählt: 13157 oder 13169, Anzahl der Punkte festgelegt?
- ☐ Gehäuse gewählt: Metall für Werkstatt, Kunststoff für Büro, Größe passend zur Füllung + Reserve?
- ☐ Ergänzt: Augenspülung bei Staub/Chemie, Bloodstopper bei Blutungsrisiko, Spender für Vielverbrauch?
- ☐ Montiert: zentral, gekennzeichnet, beleuchtet, 24h zugänglich, nicht abgeschlossen ohne Schlüsselzugang?
- ☐ Geprüft: Erste-Hilfe-Beauftragte benannt, Prüfung und Nachfüllung im Kalender?
Häufige Fragen zur Passform
Kann ich statt einem DIN-13169-Schrank einfach zwei DIN-13157-Schränke nehmen?
Ja, das ist in vielen Betrieben sogar besser, weil die Wege kürzer sind. Entscheidend ist die Gesamtmenge am Standort plus Erreichbarkeit binnen weniger Minuten. Dokumentieren Sie Standorte im Aushang.
Passt die Cederroth-Ausstattung in einen FAP-Schrank nach DIN?
Ja, als normgerechte Ergänzung, nicht als Ersatz. Bloodstopper, Soft Foam, Eye Wash und Salvequick-Nachfüllungen sind steril bzw. versiegelt verpackt und passen in Türfach, Medikamentenfach oder daneben an die Wand. Ersetzen Sie damit aber keine Pflichtinhalte wie Verbandpäckchen oder Dreiecktuch.
Wo darf kein Verbandschrank hängen?
Nicht in abgeschlossenen Büros, nicht hinter Regalen, nicht in Feuchträumen ohne geeignetes Gehäuse, nicht über Heizkörpern und nicht höher als Augenhöhe. Flurkreuzung, Pausenraum, Pforte und Werkstatt-Eingang sind Klassiker, die funktionieren.
Wie oft muss ich nachfüllen?
Nach jedem Verbrauch sofort, komplett einmal jährlich zur Sichtprüfung. Steril abgelaufenes Material – auch wenn die Packung noch zu ist – austauschen. Notieren Sie Datum und Kürzel auf der Checkliste im Schrankdeckel.
Fazit: Kaufen Sie nicht den schönsten, sondern den passenden Schrank. Wenn Sie bis 50 Leute im Büro oder bis 20 in der Fertigung sind, ist ein gut bestückter DIN-13157-Schrank in Metall oder Kunststoff die wirtschaftlichste und prüfungssichere Lösung. Darüber führt an DIN 13169 oder mehreren Stationen kein Weg vorbei – ergänzt um das, was Ihre Branche wirklich verletzt: Augen, Finger, stark blutende Wunden. So hängt ab dem 24. September 2026 bei Ihnen kein Kasten an der Wand, sondern ein System, das im Ernstfall jeder bedienen kann.










